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Erfolgsgeschichte CleverShuttle:

Wie drei junge Gründer ihre Idee auf die Straße bringen

Die Idee für das Startup kam Gründer Jan Hofmann an einem verregneten Sommertag vor fast fünf Jahren. Damals pendelte er viel in seinem alten Job und wollte nach der langen Bahnfahrt möglichst schnell und einfach nach Hause kommen. Welche Alternative gibt es, um bequemer als mit dem ÖPNV, aber günstiger als per Taxi anzukommen – und dabei möglichst umweltschonend? Seine Idee: ein nachhaltiger Tür-zu-Tür-Fahrdienst. Diese präsentierte er direkt am nächsten Abend seinen Schulfreunden beim Grillen. Bruno Ginnuth und Slava Tschurilin waren gleich Feuer und Flamme. Bis dies Realität wurde, war es aber noch ein langer Weg.

Szenenwechsel. Es ist ein Donnerstagnachmittag und wir befinden uns vor einer Tiefgarage nur wenige Meter entfernt vom Postdamer Platz. Fast im Minutentakt rollen die grün-weißen CleverShuttles von hier aus in alle Ecken der Hauptstadt. Inzwischen befördern sie täglich Fahrgäste in der Hauptstadt schnell von Ost nach West, von Nord nach Süd. „Der Standortwechsel war längst überfällig“, erklärt uns Bruno Ginnuth, der mit seinem mittlerweile fast 50-köpfigen Team hier vor ein paar Monaten ein größeres Büro bezogen hat. Mehr Platz für neue Mitarbeiter und mehr Fahrzeuge war nötig geworden.

Vor allem brauchten die Shuttles einen Startplatz, von dem aus sie möglichst einfach an jeden Ort der Hauptstadt gelangen. Da der Markt für Mietautos in Deutschland stark reglementiert ist, müssen die Shuttles nach der Fahrt immer an ihren Ankerplatz zurückkehren. Die Art der neuen Mobilität mit dem in Deutschland geltenden Personenbeförderungsgesetz in Einklang zu bringen, war nicht einfach. Ständig musste das Gründerteam bei den Städten und Behörden darüber aufklären, was sie eigentlich wollten: Sharing-Mobilität zu fairen Preisen mit festangestellten Fahrern, CO2-arm und lautlos. Welche Herausforderungen die drei Gründer noch zu meistern hatten, erzählt uns Bruno Ginnuth:

Mit ihrem Startup etwas zu verändern und einen Beitrag dafür zu leisten, dass die Mobilität in Städten besser wird – das treibt die drei Gründer auch im Alltag an. Dabei motiviert es sie, sich ein eigenes Arbeitsumfeld schaffen zu können, in dem sie ihre selbst gesteckten Ziele in die Tat umsetzen. Im Unterschied zu ihrem vorherigen Arbeitsleben, als die drei noch bei großen Konzernen angestellt waren, sind sie nun für alles selbst verantwortlich – wenn es gut läuft, aber auch wenn es einmal nicht so gut läuft. Ihr Tipp für andere, die gründen möchten? „Ideen haben viele. Auch die Konzeption ist sehr wichtig. Aber letzten Endes kommt es darauf an, sich tatsächlich den Ruck zu geben, das Ganze einfach mal in die Tat umzusetzen“, so Bruno Ginnuth.

Fairness und Nachhaltigkeit ist den Gründern besonders wichtig. Bei den Fahrzeugen setzen sie ausschließlich auf alternative Antriebe. So besteht die Fahrzeugflotte aus umweltschonenden Elektro- und Wasserstoff-Fahrzeugen sowie Plug-in-Hybriden. In Hamburg rollt seit Herbst 2017 sogar erstmals die einzig ausschließliche Wasserstoff-Flotte über die Straßen. „Das gibt es so sonst nirgendwo auf der Welt und diese grüne DNA wollen wir weiter forttragen“, sagt Jan Hofmann und fügt mit Blick auf andere internationale Anbieter hinzu: „Wir wollen die Guten sein.“ Zur Fairness gehört es auch, für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen und den Mitarbeitern faire Löhne zu zahlen.

Das Geheimnis hinter der Ridesharing-App ist ihr Algorithmus. Entwickelt hat ihn Slava Tschurilin, der Techniker des Gründerteams. „Ridesharing ist ein mathemathisches Modell“, erklärt er. Dank des Algorithmus werden Reisende mit ähnlichen Routenwünschen zu Fahrgemeinschaften gebündelt und gemeinsam befördert. Man merkt Tschurilin schnell an, wie er aufblüht, wenn er vom Gründerleben erzählt. Er erinnert sich, wie sich die Herausforderungen im Startup-Alltag im Laufe der Zeit verändert haben:

Dass auch große Unternehmen vom Geist junger Gründer lernen können, hat die Deutsche Bahn früh erkannt. Noch bevor die ersten CleverShuttles über die Straße rollten, beteiligte sie sich 2015 als Investor. Auf der einen Seite ein traditionsreicher Großkonzern mit lang gewachsenen Strukturen, auf der anderen Seite ein junges dynamisches Startup: Wie geht das zusammen? Die Antwort suchen wir bei Manuel Gerres, dem Geschäftsführer der Deutsche Bahn Digital Ventures GmbH, in einem Coworking Space mit Blick auf die Dächer Berlins. Die Bahn-Tochter fördert gezielt Gründungen aus dem Mobilitätsbereich und das in einem Arbeitsumfeld, das dem junger Startups ähnelt.

Für die Deutsche Bahn sei es interessant, tiefer in die DNA von Startups hineinschauen zu können und das neu gewonnene Wissen auch in die eigene Organisation hineinzutragen, erklärt uns Gerres: „Uns interessiert, wie sie ihre Teams strukturieren, wie sie mit denen zusammenarbeiten – damit wir selbst dann auch von diesem Speed lernen können.“ CleverShuttle sei in seinen Augen ein schönes Beispiel dafür, wie junge dynamische Menschen einen ganzen Markt neu aufstellen wollen. Den Fahrdienst von CleverShuttle möchte man bald in das Mobilitätsangebot der Deutschen Bahn aufnehmen, um die Fahrgäste auch über die letzte Meile hinweg bis an die Haustür zu befördern.

Die Idee des Startups hat den Nerv der Zeit getroffen. Eine höhere Quote an Ridesharing auf den Straßen heißt weniger Autos, weniger Lärm und weniger CO2-Belastung. Nach Berlin, Leipzig, Hamburg und München rollen die CleverShuttles nun auch bald durch weitere deutsche Städte. Frankfurt am Main, Stuttgart und Dresden sind bereits geplant, mehr Orte sollen nach und nach folgen. Die Gründer Bruno Ginnuth, Jan Hofmann und Slava Tschurilin freuen sich, dass das Startup wächst – und ebenso die Idee.

Mit ihrem nachhaltigen Shuttle-Service möchten die drei Gründer ihren Beitrag dazu leisten, unsere Städte lebenswerter zu machen. 2016 wurden sie dafür vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und „Deutschland – Land der Ideen“ mit dem Deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet.

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