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Multimodal und sozialgerecht – Lincoln in Darmstadt

Initiator: Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hessen)

Mit der Lincoln-Siedlung wird in Darmstadt ein Modellquartier für nachhaltige Mobilitäts- und Siedlungsentwicklung realisiert.

Nach dem Motto ‚multimodal von Tür zur Tür‘ setzt das Mobilitätskonzept Lincoln auf vielfältige Lösungsansätze. Dem Mobilitätsmanagement kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Mobilitätsmanagement setzt an den Bedürfnissen der Bewohner an und informiert über bestehende Angebote, bietet eine persönliche Beratung und soll dazu motivieren, für jeden Weg bewusst das jeweils beste Verkehrsmittel zu wählen oder auch verschiedene Verkehrsmittel zu kombinieren. Unterstützt wird diese Entwicklung durch die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung, wie zum Beispiel durch das Smartphone.

Astrid Samaan, Abteilungsleiterin Mobilität und öffentlicher Raum, Stadtplanungsamt Darmstadt

Deutschlands Städte wachsen, so auch Darmstadt: Neben dem zusätzlichen Wohnungsbedarf ist auch ein Anstieg des Verkehrsaufkommens mit entsprechend erhöhter Lärm- und Emissionsbelastung zu erwarten. Ein neues Wohnquartier – die Lincoln-Siedlung – setzt daher auf ein nachhaltiges Mobilitätskonzept:

Eine Vielzahl multimodaler Angebote vor Ort soll die Bewohner in die Lage versetzen, ihre Mobilität mit einem Minimum an individuellem Automobilverkehr zu gestalten. Das Angebot reicht dabei von attraktivem ÖPNV über Car-Sharing und E-Car-Pooling exklusiv für Bewohner bis hin zu Bike-Sharing und E-Lastenrädern. Um Anreize für den Verzicht auf den eigenen Pkw zu schaffen, stehen der derzeitigen Bewohnerschaft bereits drei „mein lincolnmobil“-Elektrofahrzeuge zur Verfügung, die bis zu vier Stunden pro Woche kostenlos genutzt werden können. Hinzu kommt eine kostenlose Mobilitätsberatung, die Vorschläge zur Optimierung der individuellen Mobilitätsbedürfnisse liefert. Die Lincoln-Siedlung verfolgt damit einen ganzheitlichen Ansatz, der den Weg zur Smart City ebnet.

Gut zu wissen

  • Gemeinsam mit der BVD New Living GmbH & Co. KG realisiert die Wissenschaftsstadt Darmstadt auf 25 Hektar ehemaliger Konversionsfläche ca. 2.000 Wohnungen für rund 5.000 Bewohner. Das Konzept der Lincoln-Siedlung wird als Vorbild für ein weiteres Quartier – das benachbarte Ludwigshöhviertel – für weitere 3.000 Menschen dienen.
  • Zukünftig sollen mit der LincolnCard Mobilitätsangebote gebündelt und der Service dadurch vereinfacht werden.
  • In der Mobilitätszentrale findet die Beratung mit dem eigens entwickelten Programm „MobiChck“ durch das städtische Verkehrsunternehmen HEAG mobilo statt.

Interview mit Astrid Samaan, Abteilungsleiterin Mobilität und öffentlicher Raum, Stadtplanungsamt Darmstadt

Welchen Beitrag leistet Ihr Projekt zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland?

Das Mobilitätskonzept für die Lincoln-Siedlung war von Beginn an auf Nachhaltigkeit und Integration von Städtebau, Freiraum und Nutzungskonzept ausgelegt: Ziel war es, ein Quartier mit hoher Lebensqualität zu schaffen. Eine Voraussetzung hierfür: dass Autos weniger Platz in Anspruch nehmen als bisher oftmals gewohnt. Durch einen reduzierten Stellplatzschlüssel und eine zentrale Stellplatzvergabe nach sozialgerechten Kriterien – Stellplätze können nicht gekauft werden und werden auch nicht automatisch mit einer Wohnung vermietet – soll die Unabhängigkeit vom eigenen Auto gefördert und die Idee der „Stadt der kurzen Wege“ umgesetzt werden.
Mobilitätskonzepte wie das der Lincoln-Siedlung machen die Menschen vom eigenen Auto unabhängig und beschränken den Kfz-Verkehr auf ein notwendiges Minimum. Es geht nicht um Wohnen ohne Auto, sondern um wenig Auto im Wohnumfeld. Es geht um die Wahlfreiheit, mit eigenem oder ohne eigenes Auto zu leben umso sozial ökologische Ungleichheiten abzubauen

Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?

Zunächst galt es, alle Beteiligten (Verwaltung, Politik, Bürgerschaft) in einem intensiven Beteiligungs- und Abstimmungsprozess von den Komponenten eines nachhaltigen Mobilitätskonzeptes zu überzeugen. Anschließend mussten die Planungsansätze für das Mobilitätskonzept (planungs-)rechtlich im städtebaulichen Vertrag (mit ergänzendem Durchführungsvertrag) sowie der Stellplatzeinschränkungs- und Verzichtssatzung verankert werden, was dann in den B-Plan aufgenommen wurde. Dies erfolgte mit einem ganzheitlichen Ansatz: Es wurden Obergrenzen für den Bau von Stellplätzen definiert, die überwiegend dezentrale Anordnung der Stellplätze in Sammelgaragen festgelegt, Komponenten des Mobilitätsmanagements beschrieben und die Finanzierung des Mobilitätsmanagements geregelt.

Eine aktuelle Herausforderung ist, dass das Quartier nur sukzessive besiedelt wird. Seit Anfang 2017 gibt es ca. 500 Bewohner, das heißt rund 10 Prozent der endgültig geplanten Bewohneranzahl. Seit Mitte 2019 kommen nach und nach die nächsten Bewohner dazu, aber die Herausforderung war und ist es, eben auch schon wenigen Bewohnern von Anfang an Mobilitätsalternativen zur Verfügung zu stellen und diese dann in den nächsten Jahren an die zunehmende Bewohneranzahl anzupassen.

Wo sehen Sie Ihr Projekt in fünf Jahren?

Der Wohnstandort steht im Mittelpunkt des Mobilitätsverhaltens, denn drei Viertel der alltäglichen Wege starten oder enden an der Wohnung. Mobilitätsverhalten ist daher am ehesten am Wohnort zu beeinflussen. Ein Wohnortwechsel ist somit der Schlüssel für die Neuorientierung der Mobilität. Genau hier setzt das Mobilitätskonzept Lincoln an. Die Erfahrungen sollen ebenfalls für den in den Startlöchern stehenden Entwicklungsprozess für das nächste Quartier, das Ludwigshöhviertel, dienen. Die Auszeichnung mit dem Deutschen Mobilitätspreis wird als Erfolg für alle Beteiligten gesehen und als Bestätigung dafür, weiter mit Nachdruck an der innovativen Ausgestaltung dieses neuen Quartiers und der Übertragbarkeit auf weitere Quartiere aber auch an der Verstetigung in Bestandsquartieren zu arbeiten.

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