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Carré Mobility

Carré Mobility bietet intelligente Mobilitätsangebote von und für die Quartiers-Community.

Institution: Carré Mobility GmbH, Berlin und Rüsselsheim am Main (Hessen)

In Carré Mobility sehe ich das Potenzial, auf neuen Wegen und mit neuer, nachhaltiger Mobilität Menschen der Mierendorff-INSEL miteinander und mit der lokalen Wirtschaft zu verbinden. So kann ein wichtiger Beitrag zu generationsübergreifendem Gemeinschaftsaufbau, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit geleistet werden.

Rolf Mienkus, Geschäftsführer, insel-projekt.berlin UG

Carré Mobility verbindet die Bewohner eines Viertels mit ihren (Reise-)Zielen, bietet verschiedene Fahrzeuge für unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse und bringt das Sortiment der Ladenzeile unkompliziert zum Kunden nach Hause: spontan, transparent und alles über eine Plattform. Nutzer von Carré Mobility sehen, welche Mobilitätsangebote im näheren Umfeld (ihrem Karree) verfügbar sind, und können zusätzlich verschiedene mobilitätsnahe Anfragen in die Community stellen. Carré Mobility unterscheidet dabei drei Kategorien von Diensten: Mitbringdienste, Mitfahrdienste und Sharing-Dienste. Über den Sharing-Dienst können kommerzielle Sharing-Fahrzeuge (zum Beispiel Lastenräder, E-Roller, E-Autos etc.) oder gemeinschaftlich genutzte private Fahrzeuge im Viertel für Fahrten gebucht werden. Über den Mitbringdienst können sich die Anwohnenden über die Carré-Mobility-Plattform die Güter des täglichen Bedarfs aus dem Sortiment der lokalen Läden auswählen und in einer digitalen Einkaufsliste zusammenfassen.

Der dadurch entstehende Marktplatz im eigenen Karree ermöglicht allen Anwohnenden und lokalen Gewerben, von der Nutzung der Plattform zu profitieren. Besonders in Zeiten von COVID-19 bietet die Plattform eine Lösung, die Risikogruppen schützt und gleichzeitig mit den wichtigen Dingen des täglichen Bedarfs versorgt.

Gut zu wissen

  • Gründungsjahr war 2019. Seitdem arbeitet das wachsende Team (mittlerweile 13 Personen) aus Mobilitäts- und Carré-Enthusiasten in unterschiedlicher Intensität an der Verwirklichung seiner Vision einer nachhaltigen und sozialen Mobilität in Wohnquartieren.
  • Carré hat multiple Bedeutungen: 1. Care (engl. für „einander sorgen“), 2. Carrée (franz. Quartier), 3. Car-e (elektrisches Auto) sowie 4. Karre (Umgangssprache für Auto)
  • Das Projekt arbeitet mit vielfältigen Partnern zusammen: h3ko, Mobileeeee, NIU / super socco, noca, GoUrban, Velo City, lokalen Partnern aus der Wohnungswirtschaft (gewobau, GBG Mannheim usw.), der kommunalen Verwaltung (zum Beispiel Stadt Rüsselsheim), der Wissenschaft (Frankfurt University of Applied Sciences) sowie lokalen Akteuren/Initiativen (zum Beispiel insel-projekt.berlin, BVMW). Von Anfang an mit dabei ist Julian Rowley, der als Ideengeber bereits 2017 mit dem 1. Platz des Deutschen Mobilitätspreises ausgezeichnet wurde. Seit Beginn unterstützt er Carré Mobility mit Begeisterung in einer beratenden Funktion.

Interview mit Franziska Weiser, Gründerin und CEO, Carré Mobility UG

Wie ist die Idee zu Ihrem Projekt entstanden?

Das Projekt ist aus meiner Leidenschaft für „Zukunftsmobilität“ und der Erfahrung als Anwohnerin eines Rüsselsheimer Mehrparteienhauses entstanden. Unregelmäßiger ÖPNV, kaum Sharing-Angebote und lückenhafte Versorgung von Produkten des täglichen Bedarfs sind Herausforderungen in meinem Karree. Besonders bei Krankheit oder im Alter ist eine bequeme Versorgung ohne eigenes Auto schwierig. Mit den Zutaten kommunaler Zusammenhalt, Sharing-Angebote und Plattformtechnologie wollen wir eine Verbesserung für Karrees wie unserem überall ermöglichen.

Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?

Wir leben in einer Welt des Informationsüberflusses. Eine Herausforderung, die es zu bewältigen galt, war das Herunterbrechen der relevanten Informationen und Geschäftsfunktionen, damit Anwohnende und Gewerbetreibende einfacher überzeugt werden können. Nach diesem Lerneffekt haben wir unsere Herangehensweise geändert. Wir beginnen nun immer erst mit einer Funktion und bauen die weiteren gemeinsam mit den Anwohnenden/Gewerbetreibenden auf.

Wo sehen Sie Ihr Projekt in fünf Jahren?

In fünf Jahren sehe ich deutschlandweit verteilt durch Carré Mobility gestärkte Nachbarschaften, in denen sich Anwohnende gegenseitig über Mobilität unterstützen und eine direkte Verbindung zu ihrem lokalen Gewerbe besteht. Alle Nachbarschaften sind mit individuell-angepassten Mobilitätsangeboten ausgerüstet, jedoch übergeordnet über die standardisierte Carré-Mobility-Plattform mit einander verbunden. So wollen wir einen Beitrag zu einer transparenten, voneinander lernenden und nachhaltigen Gemeinschaft leisten.

Was raten Sie anderen Menschen, die eine gute Idee haben und sie in die Tat umsetzen wollen?

Besprecht und challenged eure Idee, den MVP, das erste Produkt, mit möglichst vielen Menschen – am besten mit Menschen, denen ihr vertraut und die unterschiedliche Hintergründe haben. Nehmt die Rückmeldungen ernst und arbeitet stets an der Verbesserung eures Ansatzes. Sucht euch dabei Menschen, die an eure Idee glauben und arbeitet gemeinsam an der Realisierung der Vision – allein ist der Weg nur schwerer.

Zum Abschluss: Nicht aufgeben. Solange das Marktfeedback positiv ist, gibt es ein Weg, eure Idee umzusetzen. Ihr müsst ihn nur finden.