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Effiziente und stadtverträgliche LKW-Navigation für NRW

Die webbasierte Software SEVAS hilft, die Routenwahl der Logistikverkehre durch die Bereitstellung aktueller Lkw-relevanter Daten deutlich zu verbessern. So werden Städte und Gemeinden vom Schwerlastverkehr entlastet.

Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH, Köln

In einer zunehmend digitalisierten Welt nehmen wir Apps für alle Arten von Mobilitätsinformationen als selbstverständlich hin und erwarten einen hohen Grad an Qualität dieser Dienste. Was dabei gelegentlich aus dem Blickfeld verschwindet: Jeder Dienst beginnt mit Daten. Im Fall der Lkw-relevanten Daten sind diese praktisch überall vorhanden, sie müssen ‚nur‘ noch eingesammelt und digitalisiert werden. Diese Aufgabe übernimmt das Projekt SEVAS.

Dipl.-Ing. Volker Hassenpflug, Leiter Digitalisierung Mobilität, Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH

Drei Smartphone-Displays sind nebeneinander. Auf dem ersten ist ein Stop zeichen zu sehen, aif den zweiten die Navigationsbeschreibung und die Verkehrsschilder Lkw-Vebot, Zone 30 und verkehrsberuhigte Zone. Auf dem dritten ist die Karte zur Navigation abgebildet.

Lkw, die für sie ungeeignete Straßen wählen, sind ein immer größer werdendes Problem für Städte und Gemeinden. Mit der webbasierten Software SEVAS soll hier Abhilfe geschaffen werden. Sie sammelt Daten zu verkehrsrelevanten Lkw-Restriktionen, wie Durchfahrtsverbote oder Begrenzungen in Höhe, Breite und Länge, und stellt diese digitalisiert Providern für Navigationsdienste zur Verfügung. Kommunen können außerdem ein Lkw-Vorrangroutennetz festlegen. Zur Unterstützung der Datenerfassung dient dafür eine eigens entwickelte App, die auf einer KI-unterstützten und automatisierten Verkehrszeichenerkennung aufbaut.

Die Position der Verkehrszeichen wird per GPS bestimmt und im System verortet. Die Kommunen werden in die Lage versetzt, ihre Verkehrszeichen vor Ort zu digitalisieren. Die erhobenen Daten werden über den Mobilitätsdatenmarktplatz MDM, als nationalem Zugangspunkt für Verkehrsdaten, und das Portal Open.NRW jedem Anbieter von Navigationsdiensten zur Verfügung gestellt. Lkw-FahrerInnen erhalten so die Informationen auf ihr Navigationsgerät und werden über eine für sie ideale Route geführt.

Preisträgervideo SEVAS

Mit dem Laden des Videos werden Datenverbindungen zu Youtube / Google aufgebaut. Weitere Informationen finden Sie hier

Gut zu wissen

  • Anfang 2015 wurde das Projekt Lkw-Navigation mit einer großen Auftaktveranstaltung gestartet. Zu diesem Zeitpunkt war die räumliche Ausdehnung auf 148 Kommunen und 12 Kreise des Rheinlands begrenzt.

  • Projektpartner der ersten Stunde und bis heute sind das Verkehrsministerium des Landes NRW, die IHKs in NRW und selbstverständlich Kreise und Kommunen als Datengeber. Ergänzt wird dieser Kreis der Partner durch die Logistikbranche, den Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW, die Hersteller von Navigationskarten und weitere Institutionen.

  • Mittlerweile arbeiten fünf Personen ausschließlich an den Themen rund um SEVAS in der Projektgruppe „Digitalisierung Mobilität“ bei der Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH.

Interview mit Volker Hassenpflug, Projektleiter, Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH

Wie ist die Idee zu Ihrem Projekt entstanden?

Der Güterverkehr auf unseren Straßen ist in den letzten Jahrzehnten in massiver Weise angewachsen. Dies wirkt sich in zunehmendem Maße nachteilig auf das gesamte Straßenverkehrsnetz aus. Logistiker suchen oft händeringend nach hochwertigen Informationen für ein sicheres Routing ihrer Fahrzeuge im kommunalen Straßennetz. Gleichzeitig haben nur die Kommunen und Kreise die wichtigen Informationen dazu, wo ein Lkw fahren kann und fahren darf, um gesichert durch eine Stadt geführt zu werden. Eine echte Win-win-Situation.

Wo sehen Sie Ihr Projekt in fünf Jahren?

SEVAS ist so simpel wie genial. Auf einfachem Weg lassen sich in kurzer Zeit für das Routing der Schwerlastverkehre wichtige Informationen festhalten und umgehend für die Verarbeitung entsprechender Dienste nutzbar machen. Verkehr kennt keine Grenzen, daher sehen wir SEVAS als Best Practice für Deutschland und darüber hinaus.

Was raten Sie anderen Menschen, die eine gute Idee haben und sie in die Tat umsetzen wollen?

Wenn das Ziel klar ist, einfach mal losgehen und machen. Nicht von möglichen und unbekannten Problemen abschrecken lassen; die stellen sich dann schon von allein ein. Einen wichtigen Punkt für ein erfolgreiches Projekt kann Antoine de Saint-Exupéry bestens erklären: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommele nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Teambild des Projekts SEVAS. Eine Frau und zwei Männer sitzen auf einer Prakbank, ein Mann und eine Frau stehen dahinter.